Freunde
Freunde zu haben ist wunderbar. Doch ist eine Freundschaft auch eine Beziehung und diese muss gepflegt werden. Es braucht gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Es gibt Freundschaften, die scheinen weniger tief als andere. Einige sind ganz nah und wir denken, wir kennen uns in allen Lebenslagen.
Wenn das Baby Ihrer Freundin oder Ihres Freundes gestorben ist oder wenn Sie erfahren, dass es bald sterben wird, sollten Sie sich bewusst sein, dass diese Welle, die der Tod eines Kindes auslöst, auch auf Sie zurollen wird und es eine Herausforderung für die Freundschaft sein wird. Sie werden vielleicht feststellen, wie tief Ihre Beziehung war oder ist.
Es liegt in diesem Moment an Ihnen, wie und ob Sie mit Ihrem Freund oder Ihrer Freundin den Kontakt aufnehmen. Denken Sie nicht, Sie seien jetzt nicht wichtig. Oder, dass andere Menschen nun wertvoller sind als Sie. Fragen Sie nach, teilen Sie Ihre Gedanken und Gefühle. Nicht nur einmal. Immer und immer wieder. Machen Sie konkrete Angebote. Sprechen Sie Ihre Hilflosigkeit aus. Wir denken, dass dies besser ist als zu schweigen.
Seien Sie sich bewusst, dass wir Betroffenen nicht nach ein, zwei Monaten wieder die «Alten» sein werden. Der Tod des eigenen Kindes verändert für lange, teilweise für immer. Es entsteht eine Verletzung und diese bringt eine Verletzlichkeit mit sich, welche zu Beginn sichtbar ist und zunehmend unsichtbarer wird. Sie ist aber vorhanden und sie wird immer bleiben.
Es gibt Betroffene, die wollen über nichts anderes nachdenken und sprechen als über ihr verstorbenes Baby. Es gibt Betroffene, die wollen nichts hören über das Geschehene. Und es gibt Betroffene, die wollen an einem Tag nur darüber sprechen und am anderen Tag sind sie wütend, wenn Mitgefühl gezeigt wird. Stellen Sie sich darauf ein, dass Wut ein Gefühl sein kann, das Sie als Freundin oder Freund zu spüren bekommen. Seien Sie nicht nachtragend. Geduld und Verständnis sind gefragt. Fragen Sie, wenn Sie unsicher sind, ob die Betroffenen auch von anderen Dingen hören mögen. Machen Sie Angebote.
Freunde zu haben ist in solchen Momenten wichtig. Doch fehlt den Betroffenen oft die Energie, den Kontakt zu suchen oder Bedürfnisse auszusprechen. Viele Betroffene spüren über mehrere Monate einen massiven Energieverlust. Den Alltag zu meistern verlangt die gesamte verfügbare Energie. Meist entsteht dadurch ein Rückzugsverhalten mit Auswirkungen aufs nahe Umfeld. Auch da gilt es, dies nicht persönlich zu nehmen und geduldig zu sein. Konkrete Angebote geben uns Betroffenen die Möglichkeit, aus dem Schneckenhaus herauszukommen oder zu bleiben, wo man ist, im Wissen, dass da draussen liebe Menschen für uns da sind.
Das Leben geht für alle weiter, dies ist für uns Betroffene sehr schwierig. Doch es ist Tatsache. Sie werden weiter Ihren eigenen Alltag mit den Hochs und Tiefs erleben. Dies ist in Ordnung. Seien Sie sich aber bewusst, dass es verletzend sein kann, wenn Sie dies mit den Betroffenen teilen wollen. Dies soll Sie jedoch nicht daran hindern, die Gespräche auch über Ihren eigenen Alltag zu führen. Vielleicht fragen Sie einfach behutsam nach, ob dies im Moment in Ordnung ist.
Wir wünschen Ihnen in der Begleitung Ihres Freundes oder Ihrer Freundin Mut und Kreativität. Es muss nicht stets ein «Händchenhalten» sein. Es gibt viele Wege zu zeigen, dass Sie die Betroffenen nicht vergessen haben und für sie da sind.
Konkrete Angebote helfen am besten:
Treten Sie zeitnah in Kontakt. Eine Nachricht, eine Sprachmitteilung oder eine Karte.
Teilen Sie Ihre Gedanken und Gefühle.
Überrumpeln Sie Ihre Freundin, Ihren Freund nicht. Es braucht etwas Fingerspitzengefühl.
Melden Sie Besuche an.
Machen Sie Angebote. Zum Beispiel: Einkäufe, Mahlzeiten organisieren, einen Spaziergang machen, zusammen Sport machen, Tee trinken usw.
Zeigen Sie auch dem Partner, der Partnerin Ihre Betroffenheit.
Versuchen Sie kreativ zu sein, wenn Ihnen der direkte Austausch nicht möglich ist oder nicht erwünscht ist. Sie sind auf einer Wanderung und sehen etwas, was Sie an das Kind oder die Betroffene erinnert? Teilen Sie es! Es wird Freude bringen!
Merken Sie sich den Geburtstag und den Todestag und melden Sie sich bei den Hinterbliebenen. Das spendet Trost.
Oft sind FreundInnen im gleichen Alter und in ähnlichen Lebensphasen. Wenn Sie schwanger sind, werden oder ein Kind zur ähnlichen Zeit bekommen, seien Sie rücksichtsvoll und geduldig. Fragen Sie nach, ob Glück geteilt werden soll oder ob es zu verletzend ist. Nehmen Sie Absagen nicht persönlich.
Holen Sie sich Rat, wenn Sie denken, dass Ihre Freundin, Ihr Freund einen ungesunden Umgang mit dem Verlust des Kindes lebt (z. B. dürfen Sie den Telefondienst der Fachstelle kindsverlust.ch nutzen. Oder vielleicht nehmen Sie Kontakt mit den Eltern oder Geschwistern Ihrer Freundin oder Ihres Freundes auf und fragen nach?).